Weiterbildung „Traumazentrierte Fachberatung“

Weiterbildung „Traumazentrierte Fachberatung“

Das Angebot beinhaltet zwei Schwerpunkte: Zum einen richtet es sich an Mitarbeiter/innen, die sich mit den Folgen von extrem belastenden Erfahrungen, welche sich häufig unerkannt bei Menschen mit Verhaltensauffälligkeiten und psychischen Störungen entwickelt haben, auseinandersetzen und eine traumazentrierte Beratungskompetenz erwerben wollen. Zum anderen geht es um eine Qualifizierung für eine traumasensible – und zentrierte, Arbeit.

Traumatische Erlebnisse sind Ereignisse, die als lebensbedrohlich erlebt werden und mit extremer Angst, Hilf- und Machtlosigkeit einhergehen. Sie führen in der Regel zu tiefen seelischen Verletzungen. Dazu gehören u.a. Missbrauch und Gewalt, Vernachlässigung im Kindesalter, Verluste sowie Kriegs- und Fluchterfahrungen.

Für den Bereich psychische Störungen gilt, dass mindestens bei jeder dritten psychischen Problematik traumatische Erfahrungen zugrunde liegen. Dazu gehören z.B. Psychosen als eine Form der Verarbeitung von Traumata sowie Missbrauchs- und Gewalterfahrungen bei Menschen mit Borderline-Persönlichkeitsstörungen. Chronifizierte Erscheinungsformen von Psychosen können traumabedingte Erstarrungen sein. Schweregrad und Verlauf der psychischen Störung werden sowohl von Kontextbedingungen, der Resilienz der Betroffenen als auch von den traumatischen Erfahrungen, die oft nicht berücksichtigt werden, beeinflusst. Eine traumazentrierte sozialpsychiatrische Stabilisierung und Beratung kann wesentlich zur Bewältigung der Symptomatik und zur persönlichen Verarbeitung beitragen.

Traumaarbeit konfrontiert uns mit vielfältigen Traumata anderer Menschen. Um die Inhalte der Weiterbildung ohne zusätzliche persönliche Belastung verarbeiten zu können ist eine ausreichende psychische Stabilität erforderlich. Die Teilnahme an der Weiterbildung kann keine notwendige Therapie ersetzen.

Ziele

  • Die Teilnehmer/innen haben ein Basiswissen über neurobiologische, physiologische und psychosoziale Formen der Verarbeitung von Traumata erworben,
  • können Traumasymptome bei Menschen mit psychischen Störungen phasenspezifisch erkennen und traumazentriert intervenieren,
  • verfügen über Grundkenntnisse von Bindungsmustern- und störungen,
  • haben Techniken zur Stabilisierung erlernt und arbeiten ressourcenorientiert,
  • arbeiten traumazentriert und psychoedukativ mit Bezugspersonen und Angehörigen,
  • können dissoziative Symptome erkennen und mit ihnen umgehen,
  • haben eine traumazentrierte Beratungskompetenz für die Arbeit mit entsprechendem Klientel,
  • können in Krisen traumazentriert intervenieren,
  • sind in der Lage mit Sekundärtraumatisierungen umzugehen,
  • reflektieren ihre Praxis.

Inhalte

Grundlagen der Psychotraumatologie / Einfluss von Traumatisierung auf psychische Störungen

  • Geschichte der Psychotraumatologie
  • Erkennen und Verstehen von traumaspezifischen Symptomen
  • Neurobiologie und Physiologie von Stress-und Traumaverarbeitung
  • Erkennen von Auslösern für das Wiedererleben traumatischer Ereignisse
  • Interventionen zur Bewältigung traumatischer Erfahrungen
  • Praxis-und Selbstreflexion: Professionelle Haltung und Menschenbild

Stabilisierungsarbeit und traumazentrierte Gesprächsführung

  • Folgen von Kindheitstraumatisierungen: Bindungsmuster- und störungen,
  • traumaspezifische Stabilisierungsarbeit: Selbstwertstärkung und Förderung von Selbstwirksamkeit: Umgehen mit Stress und Selbstberuhigung, Flashback-Kontrolle, Distanzierungstechniken, Ressourcenarbeit, imaginative Techniken, Umgang mit Gefühlen, Körperwahrnehmung, Umgang mit negativen Selbstannahmen,
  • Psychoedukation
  • Beziehungsgestaltung und Gesprächsführung

Interventionen zur Linderung der Folgen traumatischer Ereignisse

  • Schutz vor Sekundärtraumatisierung
  • Umgehen mit Krisen (z.B. Affektdurchbrüchen, dissoziativen Zuständen, Flashbacks, Suizidalität)
  • Akut-Traumatisierung
  • Interventionen bei chronischen Traumafolgestörungen

Interventionen zur Linderung und Bearbeitung der Folgen traumatischer Ereignisse

  • Indirekte und direkte Traumabearbeitung
  • Überblick über vorhandene Traumatherapien

Methoden

Vermittlung theoretischer Grundlagen, Demonstration der Methoden, Rollenspiele, Übungen, Fallarbeit, Selbsterfahrung, Praxisreflexion.
Der Schwerpunkt der Weiterbildung bildet die Vermittlung einer traumsensiblen Haltung. Ziel jedes Weiterbildungstages ist es, dass die Teilnehmenden einen Impuls für die praktische Arbeit vor Ort erhalten.

Abschluss und Zertifikat

Die Weiterbildung schließt mit dem Zertifikat „Traumazentrierte Fachberatung“ ab.

Voraussetzung für die Zertifikatserteilung

Teilnahme an allen Seminaren
Teilnahme an der kollegialen Beratung (jeweils zwischen den Weiterbildungstagen) Verfassen einer Fallarbeit – Dokumentation einer Arbeitssequenz mit einem Klienten (10 – 15 Seiten)

Ablauf und Struktur der Weiterbildung

Die o. g. Inhalten werden an 10 Weiterbildungstagen vermittelt. Zwischen den Seminartagen findet jeweils ein Treffen in einer kollegialen Beratungsgruppe statt. Dieses Treffen bietet den Raum für eine vertiefte Reflexion und dient der Einübung der jeweils vermittelten Methoden.

Termine

folgen

Kosten

1.000 € + MwSt..
Wir akzeptieren Bildungsschecks.

Ort der Weiterbildung

Mülheim a.d. Ruhr

Referentin / Referent

Klaudia Räck
Rainer Hennig